…dann soll man halt das ganze Interview lesen.

Im Internet wird die Behauptung kolportiert: „Beck: Deutsche sollen Arabisch lernen“.kronen

Das ist Unsinn. Traurig, dass beim Run auf Klickzahlen und Sensationen solche Verdrehungen auch von seriösen Nachrichtenseiten verbreitet werden. Zunächst hier, was gefragt und von mir geantwortet wurde [Das ganze Interview finden Sie hier als Video]

„Mit islamischen Organisationen sprechen, die Werte des GG vertreten – das scheint in der Realität an manchen Orte nicht so leicht zu sein vor allem wenn sich bestimmte Cluster ausbilden wo der tatsächlich Zugang schwieriger wird. Ich will jetzt nicht sagen Berlin Wedding, aber ich glaube tatsächlich da, ich bin da selber vor ein paar Tagen mal gewesen, da spricht in der Tat man eher türkisch auf offener Straße oder wenn man zum Bäcker geht.  Da fiel ich auf und wurde ich angesprochen als Deutscher. Wie will man da noch einen Zugang schaffen, das wird doch schwierig, wenn man nicht vielleicht doch  klarere Grenzen aufsetzt?“

Volker Beck: Andere Länder gehen damit entspannter um, dass in manchen Vierteln auch mal eine andere Sprache von einer Migrationscommunity gesprochen wird. Also da rate ich doch mal zu einer Fahrt in die Vereinigten Staaten Amerika. Da finden Sie ihr Chinatown, da finden Sie die Gegenden, wo die Mexikaner wohnen, oder je nachdem, welche Community in der Stadt gerade stark ist. Solange die Leute sich demokratisch verhalten ist mir egal in welcher Sprache sie das tun. Und keiner stört sich hier auf der Straße wenn  jemand Englisch spricht.  Das ist ein bisschen ein Unwohlsein, weil man das Gefühl hat, man bekommt was nicht mit. Aber wenn einem das wirklich wichtig ist, soll man diese Sprache lernen, dann kriegt man auch mit was da läuft. Da, wir wirklich tatsächlich Probleme haben mit Kriminalität, mit Islamismus und gewaltbereiten Leuten, da muss man mit Sozialarbeitern rein, die dann die interkulturelle Kompetenz haben und die Streetcredibility, dadurch dass die die Sprache sprechen. Das muss man als Aufgabe annehmen, aber davor muss nicht Angst haben und weglaufen. Das haben wir doch schon seit Jahrzehnten, da ist auch nichts Neues passiert. Es gibt auf einmal so ein neues Gefühl, dass man sich bei allem unwohl fühlen muss und über alles schimpfen muss, über Dinge die in Deutschland schon seit 10 20 30 Jahren so sind. In der Tat haben wir in der Vergangenheit Fehler gemacht insbesondere die CDU hat lange die Realität verweigert, dass wir ein Einwandererland sind. Wir hatten seit den 50er, 60er Jahren die sog Gastarbeitereinwanderung. Damals dachte man das seien Gäste die da kommen, die sind aber alle noch da. Aber man deshalb, weil man dachte, die seien Gäste, da lohnt es sich nicht zu investieren, dass die Deutsch  lernen da  muss man auch nichts für ihre Weiterbildung tun, das ist ja alles egal sie sind ja in drei, vier Jahren ohnehin wieder weg. Und das hat uns wirklich in manchen Bereichen Probleme bereitet, weil die Leute dann tatsächlich schlechte Sprache hatten, keine Ausbildung, dann sind die Arbeitsplätze weggefallen und man konnte die Leute nicht wieder neu in den Arbeitsmarkt integrieren, weil man da Versäumnisse in der Vergangenheit hatte. Es war Rot-Grün 2005 die gesagt haben: wenn jemand neu nach Deutschland kommt, muss er in den ersten 2 Jahren den Integrationskurs besuchen. Das ist ein Rechtsanspruch und eine Pflicht zugleich, weil jeder der hier lebt, muss ein Minimum an Deutschkenntnissen haben und muss auch etwas über das Land erfahren, in das er gekommen ist.  Aber das was wir seit 2005 machen, das ersetzt halt nicht die Fehler, die wir in den 50er und 60er Jahren bereits gemacht haben. Und das muss man nacharbeiten und das ist ein schwieriger Prozess nicht von heute auf morgen. Aber da muss man sagen, da wurde  in den 50er, 60er Jahren von der CDU-Regierung tatsächlich manches kaputt gemacht und die Ergebnisse sieht man in manchen Stadtvierteln heute. Wobei ich immer erstaunt bin wenn ich in den Stadtvierteln bin wo die Presse sicher ist, dass es da immer so schwierig ist. Ich wohne in Berlin in Kreuzberg und ich kenne in Köln die Viertel denen man das nachsagt, ich komme da überall gut zurecht und habe da auch noch nie ein größeres Problem mit Gewalt gehabt.“

Gerne mache ich nochmals meine Haltung klar: Wer in Deutschland leben will, muss Deutsch lernen, verstehen und sprechen. Das haben wir 2005 mit der Verpflichtung zu Integrationskursen – allerdings Jahrzehnte zu spät – eingeführt. Niemand muss in Deutschland eine andere Sprache lernen, um Zuwanderer und Flüchtlinge zu verstehen, sondern diese müssen Deutsch lernen. Dafür brauchen wir mehr Integrationskurse. Was anderes ist es, bei Polizei und Sozialarbeitern: hier brauchen wir mehr interkulturelle Kompetenz und auch ausreichend Personal mit einschlägigen Sprachkenntnissen.

Im Gespräch mit Deutschen sollen sich Migranten und Flüchtlinge bemühen, sich auf Deutsch zu verständigen. Wichtig ist, dass wir dafür das Angebot an Integrationskursen ausbauen und die Hürden beim Zugang beseitigen.

Deutschland ist ein freies Land: Man darf sich in jeder Sprache und in jedem Dialekt unterhalten, auf Deutsch, Bayerisch, Friesisch, Sorbisch, Englisch, Französisch, Arabisch, Italienisch, Hebräisch etc., im Privaten, in der Kneipe, in der Teestube oder auf der Straße.

Doch: Die Amtssprache ist und bleibt deutsch. Wenn sich amerikanische Touristen auf der Straße auf Englisch unterhalten, löst das in der Regel kein Unbehagen aus, weil man meint es ungefähr zu verstehen. Anders ist es oftmals bei anderen Sprachen.

Gottesdienste in Heimatsprache sind ein „bisschen Heimat“

Ebenfalls wird mir vorgeworfen und unterstellt, ich würde fremdsprachige Gottesdienste befürworten oder gar fordern. Ich stelle aber lediglich fest, dass es diese gibt und es für manche Menschen ein Stück Heimat sei, Gottesdienste in ihrer Muttersprache zu besuchen. Lesen Sie hier die ungekürzte Passage aus dem Interview:

„Müsste man dann nicht auch sagen, keine Bäckerschilder auf Türkisch und Arabisch sondern auf Deutsch, keine Predigten auf Arabisch?“

Volker Beck: „Nein, das geht nicht. Und es gibt übrigens nicht nur Predigten auf Arabisch und Türkisch, sondern wir haben Gottesdienste immer schon in der katholischen Kirche in Deutschland  gehabt seit der Gastarbeitereinwanderung auf Kroatisch, auf Italienisch, auf Ukrainisch. Selbstverständlich gehört das zur Religionsfreiheit dazu und das ist auch ein bisschen Heimat, dass man auch ein Gottesdienstangebot kriegt,  in der eigenen Sprache. Ich würde mir bloß wünschen bei den Imamen, und das ist insbesondere eine Forderung an die DITIB, aber auch an einige andere, dass die Leute hier groß geworden und sich hier auskennen und die Sprache sprechen und nicht Leute aus Ankara geschickt werden, die kein Wort Deutsch sprechen Iman der Gemeinde sind und das Land nicht kennen, und als Seelsorger Familien beraten sollen in einer Realität die ihnen selber fremder ist als den Familien.“

Nochmal, um es klar zu machen: In dem Interview fordere ich, dass die DITIB und andere Moscheegemeinden dazu übergehen, Imame zu bestellen, die in Deutschland aufgewachsen sind und Deutsch sprechen. Auch wenn man das rechtlich nicht durchsetzen kann.

Wir haben muttersprachliche Gottesdienste immer schon in der katholischen Kirche in Deutschland gehabt. Seit der Gastarbeitereinwanderung gibt es diese auf Kroatisch, auf Italienisch und in anderen Sprachen. Selbstverständlich gehört es zur Religionsfreiheit dazu, und es ist auch ein bisschen Heimat, dass man ein Gottesdienstangebot bekommt in der Herkunftssprache. Fremdsprachige katholische Gottesdienste und Gemeinden im Erzbistum Berlin finden Sie hier.

Ich wüsste auch nicht, warum man den Jüdinnen und Juden Hebräisch im Gottesdienst verbieten sollte.

Wünschenswert sind in Moscheen dennoch mehr Angebote auf Deutsch.

Was bleibt?

  1. Die Notwendigkeit das Integrationskursangebot auszubauen und

  2. die Notwendigkeit einander zuzuhören.

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