Pflegeberuf aufwerten

Sehr geehrte Damen und Herren,

zum Zeitpunkt erhitzt ein unautorisiertes und falsches Zitat die Gemüter – aus meiner Sicht vollkommen zu Recht. Auf der Website von Maischberger wurde mir folgendes Zitat unabgestimmt in den Mund gelegt: „Auch denen müssen wir eine Chance geben und sie fit machen: Deutschunterricht, Schulabschluss und Vermittlung in Ausbildung. Wir brauchen zum Beispiel viele Leute in der Pflege, da braucht man keine hohe Schulbildung.

Da ich in den 80er-Jahren selbst für sechs Jahre in der Altenpflege gearbeitet habe, ist das nicht meine Haltung. Deshalb hatte ich bereits am Mittwoch, 1. Juni, dem Sendetag von Maischberger und dem Tag der Veröffentlichung, das Zitat richtigstellen lassen. Hier finden Sie die korrekte Version. In der Sendung selbst, sagte ich folgendes ab Minute 52:36:

„Wo es alternativlos wird, ist im Bereich der Pflege. Weil ansonsten – das haben wir ja schon – dass Pflegebedürftige in andere Länder migrieren weil sie da auf die Situation treffen, dass Pflegekräfte ausreichend vorhanden sind. Das halte ich allerdings für keine Alternative, die ich bejahen möchte.“ […] „Aber Sie können auch Menschen, denen sie erstmal mit Integrationskursen die Ausbildungsfähigkeit in deutscher Sprache ermöglichen, dann eine Ausbildung in diesem Bereich anbieten.“

Wir Grünen wollen den Pflegeberuf aufwerten. Unser Konzept dazu finden Sie hier. Die Missverständnisse bedauere ich. Dass das verbreitete falsche Zitat nicht meine Meinung darstellt, habe ich damit hoffentlich dargelegt.

Ihr Volker Beck

11 Gedanken zu „Pflegeberuf aufwerten

  1. Christian

    Sie reden um den heißen Brei herum. Was ist denn ein „unautorisirtes Zitat“? Ich gehe sehr stark davon aus, dass sie diesen Satz sehr wohl gesagt, jedoch nicht zur Veröffentlichungen frei gegeben haben. Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege.

  2. Jürgen Hollick

    Sehr geehrter Herr Beck,
    es läge mir tatsächlich sehr am Herzen, wenn Ihnen diese Aussage von der Schulbildung wirklich nur in den Mund gelegt worden wäre. Die Aufzeichnung scheint das auch zu bestätigen. Hier bitte ich Sie um ein weniger diplomatisches Dementi und statt dessen die ausdrückliche Feststellung, dass dieses Zitat gefälscht ist. Das würde mir die Argumentation in meinem berufspolitischen Umfeld erleichtern.
    Unabhängig davor erlauben Sie mir bitte einige Anmerkungen.
    Zunächst empfinde ich Ihre Aussage „Da ich in den 80er-Jahren selbst für sechs Jahre in der Altenpflege gearbeitet habe, ist das nicht meine Haltung“ in dieser Kausalität doch etwas daneben. Denn warum sollte eine Aushilfstätigkeit von vor 30 Jahren irgendeine Auswirkung auf Ihre heutige Haltung haben? Ich habe das „Argument“, jemand hätte auch schon einmal in der Pflege gearbeitet, im übrigen ähnlich dämlich, wie die Bewerbung als Schreiber, weil man schon einmal einen Nagel in eine Holzwand geschlagen hätte.
    Dass sich die Grünen um die Aufwertung der Pflege bemühen, will ich auf Landesebene in Bayern gerne unterstreichen, dennoch ist uns natürlich nicht entgangen, dass eine MdB der Grünen im Deutschen Bundestag sich gerade in der wichtigen Frage der Ausbildung strikt gegen die Verbände der Pflege und deutlich auf Seiten der Arbeitgeber stellt, insbesondere der Arbeitgeber, die Pflegenden z.B. sogar Tarifverträge verweigern oder die Selbstverwaltung einer Kammer.
    Mir würde es durchaus am Herzen liegen, wenn Sie und Ihre Fraktionskollegen die Position der Pflege aus der Sicht der Pflegeprofis ausdrücklich unterstützen würden.
    Mit freundlichen Grüßen

  3. Christian Müller

    Gerne zeige ich Ihnen persönlich was ein Krankenpfleger leisten muss.

  4. Andreas Krause

    Pflege sollte aufgewertet werden. Denn was wir für die Gesellschaft tun ist unbezahlbar. Es fängt mit dem Gehalt an und hört mit der Anerkennung in der Gesellschaft auf. Ich finde es Schade das Pflegeberufe nicht dem entsprechend attraktiver gestartet werden.

  5. Krankenpfleger

    Immer noch utopisch das Leute nach den Integrationskursen eine pflegerische Ausbildung in einem nennenswerten Prozentsatz schaffen.

  6. Antje Kellner

    Hallo!
    Ich bin staatlich examinierte Krankenschwester.Für mich ist auch diese Richtigstellung Ihrer Aussage keine richtige Darstellung dessen, was sie sagten.
    Natürlich brauchen wir mehr Pflegekräfte.Es würde in unserem Land davon auch nicht so wenige geben.Leider bezahlt man uns, für unsere Tätigkeit sehr schlecht. Seit ein paar Jahren werden wir immer weiter abgewertet, auch weil die Altenpflege und die Krankenpflege in einen Topf geworfen wurde, obwohl die Ausbildungen und die Tätigkeiten unterschiedlich sind. Außerdem sind wir so billig, dass man uns von der Essensverteilung bis zur qualifizierten Zubereitung von Medikamenten bzw. Verabreichung und Überwachung derselben, alles zumutet. Wir bereiten Menschen zu OPs vor, wir überwachen Sie nach der Abholung vom Op.Wir machen Verbände, entscheiden ob Wunden vom Arzt gesehen werden müssen oder welche Wundauflagen verwendet werden, daneben tauschen wir defekte Telefone aus oder räumen ungeordnete Zimmer auf.Wir rennen uns die Seele aus dem Leib und machen neben Intimpflege noch Multitasking. Wir verzichten auf Pausen, weil die zwischen Essensausgabe und Wieder einsammeln liegt und die Patienten in der Zwischenzeit schon wieder auf den Topf müssen und der dritte Kollege sich krank gemeldet hat und kein Ersatz gefunden wurde. Wir arbeiten Früh….Spät….Nacht….ganz wie es beliebt und wie Ausfälle kompensiert werden müssen.Flexibilität heißt das Zauberwort….immer noch unter dem Deckmäntelchen von Florence Nightingale oder früheren Ordensschwestern. Die Bezeichnung für unsere Arbeit heißt immer noch Dienst……kommt nämlich von Dienen….und so wird es auch heute noch von außen und von innen her gesehen.Nur wir selbst werden nicht als Mensch mit Bedürfnissen wahrgenommen. Und weil wir nur in der Freizeit streiken können und deshalb wohl so wenig Gegenwehr von uns kommt, werden wir noch als blöd oder dumm dargestellt…..Oder wie mal eine behinderte Küchenhelferin zu unserer Beleghebamme sagte, als diese sagte, sie sei so fertig….“Hättest halt was gescheiteres gelernt“
    Mit freundlichem Gruß
    Antje Kellner

  7. Andreas Schuchardt, B. Sc. Pflege

    Was Sie in Ihrem Konzept schreiben ist alles schön und gut. Bei der nächsten EU- Gesundheits-konferenz sollte jedoch der schulische Zugang von 10 auf 12 Jahre erhöht werden. Durch den Wandel im täglichen Handlungsfeld ist der kognitive Anspruch an uns akademisch und die nicht akademisch Pflegenden spürbar gestiegen. Die Ansprüche von Seiten der Erkrankten, Verletzten oder zu betreuenden sowie ihrer Angehörigen, die Anforderungen von Seiten des Managements und Medizin führen zu gestiegener Notwendigkeit in der Erhebung, Anwendung und Evaluation neuer Pflegekonzepte. Dies lässt sich nicht so einfach umsetzen. Um die Pflege ansprechender zu gestalten, mehr Bürger für die Pflege akquirieren zu können, müssen die Gehälter schon wesentlich steigen. Wir machen keine schlechtere Pflege als die Schweizer und werden trotzdem mit einem Hungerlohn getröstet. Wir sind kein dienender Beruf mehr, auch die Genderdiskussion ist unnötig. Wir seher uns täglich mit einem Bein im Knast, tragen Verantwortung für Überlebensfähigkeit eines jeden, der mit dem Gesundheitssystem in Kontakt kommt, und erhalten nicht einmal den nötigen Respekt durch die Bürger. Unser HauptJob ist nicht das Versorgen von realen und colorektalen Exkrementen. Wir haben das Recht auf 5.000 € netto plus Zulagen wie Nacht- und Wochende, Fachzulagen (z.B. Psychiatrie, Anästhesie und Intensivpflege usw.).

    A. Schuchardt, B. Sc. in Critical Care Nursing und Anleitung/Beratung

  8. Christian

    Warum wir mein Kommentar nicht freigeschaltet? Wieso verweigern Sie die Kommunikation? Das ist undemokratisch und eines Politikers nicht würdig. Daher noch einmal meine Frage: Was genau ist ein „unautorisiertes Zitat“?

  9. Oliver Soldner

    Sehr geehrter Herr Beck,
    sehr schön das sie vor wie vielen Jahren in der Altenpflege gearbeitet haben?
    Doch ich möchte Ihnen nahelegen vielleicht sich mal wieder in diesem Beruf Praktisch zu betätigen da sich im Lauf der Zeit viel verändert.
    Und Entschuldigung was sind 6 Jahre? Viele Menschen arbeiten 20 und mehr Jahre in der Pflege.
    Wann haben Sie das letzte mal sich selbst überzeugt wie es in den Pflegeeinrichtungen zugeht? Gerne lade ich Sie ein Ihren Anzug abzulegen und einen Pflegekittel überzustreifen um mal wieder die Situation kennenzulernen wie es dem Pflegepersonal geht. Es tut mir leid aber Sie sind zu lange aus dem Beruf raus um eine entsprechende Beurteilung und Wertung abgeben zu können.
    Es sind nicht nur Namen auf dem Papier sondern Menschen die das Recht haben eine gute Professionale Pflege und Betreuung zu erhalten. Aber leider ist es im Endeffekt das es überall nur darum geht wie immer mehr Profit von einigen wenigen erwirtschaftet wird.
    Wenn Sie etwas tun wollen sorgen Sie dafür das genügend Pflegepersonal in den Einrichtungen vorhanden ist und die Heime auf den neusten Stand kommen.
    Ich würde es jedem Politiker raten mal von Ihren hohen Stühlen herabzukommen um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.
    Mit den Menschen nicht über die Menschen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Oliver Soldner

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