Pro will den CSD hijacken

no go für nazis!

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„Pro Köln“ ist eine rechtsextreme Partei. Sie schießt gegen Minderheiten, gegen Muslime, gegen Sinti und Roma und auch gegen Schwule und Lesben. Für sich selbst fordert die Partei dagegen maximale Toleranz ein. So stilisieren sich ihre Vertreter gern selbst als verfolgte Minderheit. Das ist auch das eigentliche Ziel des aktuellen Mediencoups: In ihrer Begründung schreibt Judith Wolters, die Fraktionsvorsitzende der Partei im Kölner Stadtrat, nämlich keineswegs, dass sie sich nun für schwule und lesbische Themen und Gleichberechtigung einsetzen würde. Vielmehr geht es darum, dass sie als „politische Minderheit“ und „unbequeme Oppositionspartei“ auch gehört werden müsse.
„Es muss in Köln Platz sein für alle friedlichen und rechtschaffenen Bürger, auch wenn sie z.B. einer sexuellen oder politischen Minderheit angehören.“ sagt Wolter. Damit ist klar: Ziel der Aktion ist Aufmerksamtkeit für die Kleinstpartei. Und das ist besonders perfide, man will den CSD umfunktionieren zu einer Veranstaltung der Toleranz gegenüber PROs Positionen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.

An der homophoben Grundeinstellung von „Pro Köln“ kann kein Zweifel bestehen. Verschiedene Mitglieder von Pro Köln waren zum Beispiel vorne dabei beim inzwischen – vermutlich nur vorübergehend – verschwundenen Hassportal „kreuz.net“. Regina Wilden, die ehemalige Stadträtin der Rechtspopulisten im Stadtrat von Köln, wurde dort publiziert . Ebenso der Vorsitzende der Partei Markus Beisicht, dessen Beitrag unter dem Titel „Wird sich der Kardinal den Homo-Perversen beugen?“ dort veröffentlicht wurde. Der Kölner Stadtrat Schöppe sagte zur Kölner Entscheidung, auch eingetragenen Lebenspartnern den ihnen zustehenden Familienzuschlag zu zahlen im März 2011: „Es kann aber auch nicht sein, dass der Staat falsche Anreize schafft und gleichgeschlechtliche Beziehungen mit Subventionen unterstützt, die eigentlich für die Förderung von traditionellen Familien mit eigenen Kindern gedacht waren.“ Ergänzend hieß es: „Interessant an dem Vorgang ist neben einer Frage der Gerechtigkeit vor allem der Aspekt, dass die Stadt aus ihrem defizitären Haushalt offensichtlich die Verhinderung von Geburten unterstützen will. Denn auch ohne vertiefte biologische Kenntnisse dürfte jedem klar sein, dass aus gleichgeschlechtlichen Verbindungen keine eigenen Kinder hervorgebracht werden können.“ Der PRO-Vorsitzende Rhein-Berg schrieb im März: „Ich behalte mir das Recht vor, entgegen allen „politisch korrekten“ Versuchen, mir das zu verbieten zu sagen: Die homosexuelle Nachäffung des menschlichen Geschlechtsverkehrs ist unsittlich.“ Die Webseite pi-news.net, eine Art Sprachrohr von „Pro Köln“ und seiner Anhänger, spricht von schwulen und lesbischen Menschen ohnehin nur als Abartige. Aktuell wettert sie gegen das Adoptionsrecht von gleichgeschlechtlichen Paaren: „Überhaupt werden wir in 15 oder 20 Jahren statistisch feststellen, dass von Schwulen adoptierte Kinder überdurchschnittlich schwere psychische Störungen aller Art aufweisen.“

Nein, diese Partei ist nicht tolerant gegenüber Schwulen und Lesben. Was will sie dann beim CSD mag man sich fragen. Sie tut, was sie schon immer wollte: Provozieren und spalten. Sie versucht Minderheiten gegeneinander auszuspielen. Da wird eine angebliche Bedrohung der Freiheit von Schwulen und Lesben durch Menschen mit Migrationshintergrund an die Wand gemalt. Homo- und Transphobie hat verschiedene Ursachen. Dort, wo patriarchale Familienstrukturen und veraltete Männlichkeitsbilder fortbestehen, entstehen homo- und transphobe Vorurteile. Auch das Erleben von eigenen Diskriminierungserfahrungen kann bei jungen Menschen zu gesteigerten Aggressionen führen. Pauschale Schuldzuweisungen helfen hier nicht – wir brauchen zielgruppengenaue Ansprache und Aufklärung. Zur Bekämpfung von Gewalt und Vorurteilen gehört auch eine gute Sozialpolitik, die Chancen eröffnet, gesellschaftlichen Aufstieg ermöglicht und niemanden diskriminiert.

Aber was scheren „Pro Köln“ schon Fakten und demokratische Debattenkultur. Sie wissen, dass auch bei Schwulen und Lesben Populismus verfängt. Dabei muss jedem klar sein: Für diese Partei sind Minderheiten generell verabscheuungswürdig – heute sind es Ausländer, morgen wieder Schwule und Lesben. Die Ausschreitungen und Massendemos in Frankreich wurden nicht von Muslimen organisiert – es waren die Konservativen im Bündnis mit den Rechtsextremen. Und es sind deutsche Christdemokraten, die Lesben und Schwulen bis heute gleiche Rechte verweigern, während der Türkische Bund die Öffnung der Ehe fordert.

Der KLuST und wir alle gemeinsam als Kölner CSD dürfen „Pro Köln“ damit nicht durchkommen lassen. Sie sind nicht Teil unserer Bewegung für gleiche Rechte und Akzeptanz – die wir nicht nur für uns fordern, sondern für alle Menschen in unserer Stadt! Lasst uns gemeinsam für Akzeptanz von LGBTTI, Sinti und Roma, Kölnern und Düsseldorfern, Migranten, Flüchtlingen, Christen, Juden, Muslimen und Atheisten und gegenseitigem Respekt auf die Straße gehen! Dann würde „Pro Köln“ offensichtlich versuchen, sich einer Veranstaltung anzuschließen, deren Agenda sie entgegenstehen und widersprechen. Das müssen wir nicht dulden!

3 Gedanken zu „Pro will den CSD hijacken

  1. m3t4b0m4n

    Tja, als die Pros das Gleiche mit den Piraten gemacht haben, da stimmten die Grüns noch munter ein, in die Verleumdungskampagne. So schön kann Heuchlerei sein.

  2. Robert Niedermeier

    Natürlich sind „Diskussionen“ mit Rechtspopulisten (Nazis, Faschisten) nicht zu dulden, es wird aber mal wieder Zeit den Linken zuzuhören, stattdessen ist ein allgemeiner Rechtsruck in der deutschen Homo-Szene zu beobachten, der Rechtsaußen auf den Plan ruft:
    http://reiserobby.de/cdu-ausschluss-und-seine-folgen-csd-paraden-locken-touristen-und-faschisten-an/

    Vor allem getragen von der stockkonservativen Zivil-Ehe-Debatte:
    http://reiserobby.de/ehe-ist-doch-doof-wider-der-anpassung-ans-falsche/

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